Verloren – und doch gewonnen! Die Fans jubeln, die Spieler wirken zunächst wie begossene Pudel. Am Ende aber ist der größte Erfolg der Minden Wolves perfekt. Der Aufstieg in die GFL2. „Bundesliga, wir kommen!“ Bei den Minden Wolves wird der 28. September 2025 unvergessen bleiben. In fünf Jahren von der untersten Spielklasse in die 2. Bundesliga. Ein Traum wird wahr. Aber selbst der beinhaltete nicht diese Kürze der Zeit. Headcoach Phil Gamble erinnert sich: „Als wir 2021 im August gegen die Herne Black Barons erstmals in einem Meisterschaftsspiel aufgelaufen sind, haben wir davon geträumt, einen Weg einzuschreiten, auf dem wir in zehn oder mehr Jahren schließlich an die Tür zur GFL2 anklopfen können. Jetzt haben wir dieses Kunststück nach fünf Jahren geschafft. Es gibt sicherlich nicht viele Teams in Deutschland, die das schaffen.“
2025: Die 3. Liga war etwas Besonderes für die Wölfe, denn sie waren die Unerfahrenen in dieser Klasse. Alle Gegner haben bereits höher gespielt. Entweder in der GFL2 oder sogar noch eine Klasse höher. Für sie war alles Neuland. Aber der Auftakterfolg gegen die hocheingeschätzten Solinger wirkte wie ein Brustlöser. Wahrscheinlich nicht für Phil Gamble, denn der Headcoach war schon vor dem Saisonstart davon überzeugt, dass man in der Regionalliga oben würde mitmischen können. Er sollte recht behalten, denn schnell wurde deutlich, dass es wohl nur ein Zweikampf zwischen zwei Nachbarn werden würde: den Bielefeld Bulldogs als GFL2-Absteiger und dem Aufsteiger aus Minden.
Und so kam es auch. Kopf an Kopf ging es auf die Ziellinie. Von sage und schreibe fast 500 eigenen Fans aus Minden begleitet, wog die Partie – wie schon das Hinspiel – hin und her. Die Trümpfe lagen am Ende eindeutig auf Seiten der Hausherren aus Bielefeld, die knapp eine Minute vor Schluss mit 26:23 führten und einen 13:23-Rückstand wettgemacht hatten. Es blieb 40 Sekunden vor Schluss nur noch ein einziger Versuch, eine letzte Chance, um den Bielefelder Sieg noch abzuwenden. Aber dann kam die Sternstunde zweier Spieler. Zachary Cavanaugh, der zuvor gepatzt hatte, nahm Maß und bediente Rayshon Fletcher in der Endzone. Und der erwies sich einmal mehr als fangsicherster Wolves-Spieler.
Gerade er, der sich zwei Jahre zuvor so schwer verletzte und sich anschließend 16 Operationen am Knie hatte unterziehen müssen – darunter sogar eine Nerventransplantation. Aber er war den Minden Wolves so dankbar, dass sie ihn nicht fallen ließen, sondern schützend ihre Hand über ihn hielten, dass er sein Mindener Team auch nach seiner Rückkehr in die USA nicht vergaß. Niemand rechnete ernsthaft damit, dass er jemals wieder würde Football spielen können. Doch urplötzlich trudelte zu Beginn des Jahres 2025 eine Nachricht von ihm ein, dass amerikanische Ärzte ihm wieder Kontaktsport erlaubten.
Also kehrte er nach Minden zurück, nicht wissend, ob er bei den Wolves wieder eine Chance bekommen würde. Nach intensiver Untersuchung durch das Wolves-Medicalteam geschah das, was keiner geglaubt hatte. Fletcher erhielt grünes Licht.
Monate später folgte dann das entscheidende Spiel um die Regionalliga-Meisterschaft in Bielefeld. Und dann die letzte Minute, als der Cavanaugh-Pass Ray Fletcher erreichte. Der umklammerte das Leder fest. So fest, wie noch nie. Aus dem 23:26 wurde ein 29:26. Wenig später waren die letzten Sekunden abgelaufen. Die Minden Wolves waren Meister der Regionalliga!
Die Geschichte in 2025 hatte zwar ein Happyend geschrieben, war aber noch nicht beendet. Jetzt standen noch zwei Playoff-Spiele um den Aufstieg in die GFL2 an. Und dabei behauptete man sich – wenngleich im Rückspiel schwach aufspielend – gegen die Hannover Grizzlies. Der Aufstieg in die zweithöchste deutsche Spielklasse war perfekt.
Seitdem sind alle Planungen auf die GFL2 ausgerichtet. Und das auch als neuer Verein, denn die Wolves haben sich selbstständig gemacht, heißen seit Januar American Football Club Minden Wolves e.V.
Für sie beginnt im Mai das „Abenteuer GFL2“. Und das soll am Ende mit dem Klassenverbleib beendet werden. Die Chancen dazu stehen nicht schlecht. Aber entscheidend wird sein, was Phil Gambles Mannen auf dem Feld abliefern.